Würzburger Amtsgericht: Haftstrafe wegen sexueller Nötigung

Würzburg. Obwohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung übereinstimmend Bewährung beantragt hatten, muss ein 27-jähriger Mann wegen versuchter sexueller Nötigung für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Das hat am Donnerstagvormittag das Würzburger Amtsgericht entschieden.

Der Angeklagte hatte im Prozess vor dem Schöffengericht gestanden, Ende November eine junge Frau in der Damentoilette einer Diskothek in der Sanderstraße körperlich angegriffen und Sex von ihr gefordert zu haben.

Laut der Aussage des Opfers bei der Polizei – durch das Geständnis wurde der jungen Frau ein Auftritt vor Gericht erspart – hatte der Angelagte sich dabei mit einem Tuch vor dem Gesicht vermummt, drang mit Gewalt in die Toilettenkabine ein, packte die junge Frau am Hals, drückte sich gegen sie und forderte Sex. Als sie um Hilfe rief, hielt er ihr den Mund zu. Der Freund des Opfers hörte die Hilferufe und konnte seiner Freundin zu Hilfe eilen.

Dass der Angeklagte sich nach zu viel Alkohol in der Toilette geirrt und die Frau spontan angegriffen habe, nahm das Gericht dem 27-Jährigen, der seit fünf Monaten in Untersuchungshaft sitzt, nicht ab: „Für uns spricht alles dafür, dass er gezielt in die Damentoilette gegangen ist. Es hat ihn auch niemand gezwungen, sich so zu betrinken, dass er Frauen angeht. Wir sehen die Tat nicht als kleinen Ausrutscher oder Bagatelle, sondern als eine ziemlich üble Geschichte, die wir nicht noch mit einer Bewährung belohnen können“, betonte der Vorsitzende des Schöffengerichts bei der Urteilsbegründung.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Ersttäter – hauptsächlich aufgrund des Geständnisses – zwei Jahre Haft auf Bewährung, der Verteididiger ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert.