Energie&Umwelt: Biogas

Im Ochsenfurter Gau – südlich von Würzburg – wird auf riesigen Feldern Mais angebaut. Er ist weniger als Viehfutter, dafür umso mehr als Energiepflanze gefragt. Und der Bedarf an Mais ist enorm. In Biogasanlagen -zum Beispiel in Gelchsheim (Lkr WÜ) – wird er jeden Tag tonnenweise verbraucht. Der Prozess im Inneren der Anlage ist der Verdauung eines Rindes ähnlich. Mit gut 20 Tonnen Silomais, 2 bis 3 Tonnen Festmist und bis zu 10 Kubikmeter Rindergülle wird die Biogasanlage täglich befüllt. Diese Stoffe bilden die Substratmischung. In Gelchsheim bezieht man die Gülle von zwei Höfen aus der Umgebung. Den Silomais liefern die 9 Gesellschafter die Biogas-Anlage. Allein dafür bauen sie rund 130 Hektar Mais im Ochsenfurter Gau an.

Im Fermenter findet unter Ausschluss von Sauerstoff die Vergärung statt. Ein brauner Brei entsteht, der ständig umgerührt wird. So entweicht das entstehende Gas besonders gut. Das Biogas besteht zu 50 Prozent aus Methan. In einem Blockheizkraftwerk vor Ort treibt dieses Methan über einen Generator an – so entsteht elektrischer Strom – in Gelchsheim bis zu 4,4 Millionen KW/h jährlich – das genügt für etwa 1000 Durchschnittshaushalte. Die anfallende Wärme wird einerseits zum Beheizen der Biogasanlage verwendet, andererseits in ein Fernwärmenetz eingespeist, das zum Beispiel auch das Wasser des Gelchshheimer Freibades beheizt.

Den aus nachhaltigen Quellen erzeugten Strom muss der örtliche Stromnetzbetreiber zu einem gesetzlich vorgeschriebenen Festpreis abnehmen. Das garantiert das Erneuerbare Energien Gesetz – EEG. Dieses Bundesgesetzt aus dem Jahr 2000 fördert die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen – dazu gehören neben Biogas zum Beispiel auch Windkraft und Photovoltaik. Dieses Gesetz macht den wirtschaftlichen Betrieb einer Biogasanlage erst möglich, sagt Werner Reuß, Geschäftsführer der BioEnergie Gelchsheim GmbH.

Die Verwendung von Mais als Energiepflanze ist nicht unumstritten. Der Anbau bei uns ist ökologisch und finanziell belastend, da die riesigen Monokulturen viel Dünger und Pestizide benötigen.

Eine Alternative könnten Wildpflanzen sein. Es gibt seit einigen Jahren Versuchsflächen in ganz Deutschland. Der Wildblumen-Mix braucht weniger Dünger, ist mehrjährig, bietet Vorteile für Boden und Grundwasser und dient der Tierwelt als Rückzugsort.

In der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim läuft seit Jahren eine Studie zu diesem Thema. Die ersten Ergebnisse sind viel versprechend. Die Methanausbeute der Wildpflanzen ist nur circa 10 Prozent niedriger als bei Silomais. Derzeit wird erforscht, wie die optimale Saatgutmischung aussehen muss. Werner Reuß von der BioEnergie Gelchsheim GmbH steht den Wildpflanzen aufgeschlossen gegenüber. Versuchsflächen und Forschung in dieser Richtung sei die GmbH jederzeit aufgeschlossen.