Leonie Ebert kämpft sich beim 34. Cup der Sparkasse Tauberfranken auf Platz drei

Letztlich entschied ein einziger Treffer: In einem Halbfinal-Krimi unterlag FC-Florettfechterin Leonie Ebert beim 34. Cup der Sparkasse mit 14:15 der US-Amerikanerin Stefani Deschner. Den Turniersieg sicherte sich erneut deren Landsfrau Sylvie Binder.

Vertrauter Siegesjubel hallte am Sonntagnachmittag durch die Emil-Beck-Halle. Er stammte von Sylvie Binder. In einer Neuauflage des Vorjahresfinales hatte die 16-Jährige aus den Vereinigten Saaten durch einen Schlussspurt mit 15:10 den Titel des Cups der Sparkasse Tauberfranken gegen ihre Landsfrau Stefani Deschner verteidigt. Es war auch ein Finale der Titelgewinnerinnen, denn 2013 war es Binder, die ganz oben auf dem Siegespodest stand. Damit unterstrichen die zwei in den vergangenen drei Jahren ihre Vormachtstellung bei diesem internationalen Damenflorett-Turnier der 14- bis 16-Jährigen. Beide werden im kommenden Jahr nicht mehr dabei sein, da sie in die Altersklasse der Junioren aufsteigen.

Das gilt auch für Leonie Ebert. Die junge Florett-Spezialistin aus den Reihen des gastgebenden FC, die Damenflorett-Bundestrainer Andrea Magro liebevoll „kleinen Tiger“ nennt, war die einzige ernste Konkurrenz für die US-Amerikanerinnen in den vergangenen Jahren. Nach Platz zwei und fünf hatte sich die amtierende Welt- und Europameisterin der Kadetten das Erreichen des Halbfinales als Mindestziel gesetzt. Das hatte sie bis zum Sonntagnachmittag mit einer furiosen Vorstellung erreicht. Schafften es ins Tableau der Besten 32 außer ihr noch die beiden Bonnerinnen Karoline Schmitz, Kari Weiner sowie Pia Ueltgesforth aus Moers und Agelina Philipp aus Hanau, war sie ab dem Achtelfinale die einzige deutsche Vertretung. Im Halbfinale lagen 16 gewonnene Kämpfe hinter ihr, nun ging es gegen eine „alte Bekannte“: Stefani Deschner. Bereits im Finale 2013 und im Viertelfinale 2014 standen sich die beiden gegenüber, mit dem jeweils besseren Ende für die US-Amerikanerin.

Beherzt betrat die Tauberbischofsheimerin die Hochbahn in der Emil-Beck-Halle. Nach anfänglichem Rückstand schien es zeitweise als könne sie sich absetzen, legte immer wieder ein, zwei Treffer vor, führte bereits mit 10:6 und 13:11. Immer lautstarker begleiteten die 800 Zuschauer jede Aktion auf der Bahn. Als beim Stand von 13:13 Leonie Ebert bereits die Faust nach oben nahm, erkannte der Kampfrichter auf Treffer für die Gegenseite. Eine Entscheidung, die Andrea Magro nicht nachvollziehen konnte. Doch sein „kleiner Tiger“ gab sich noch nicht geschlagen. In der Schlussminute stand es 14:14. Momente später gelang Stefani Deschner der entscheidende Stoß. „Beim letzten Treffer hat sie eine Aktion gemacht, mit der ich nicht gerechnet habe. So zu verlieren ist immer bitter. Ich wollte diesmal unbedingt gewinnen und das Turnier verlief bis dahin so gut. Vor heimischem Publikum anzutreten spornt natürlich an, aber ich habe mir vielleicht auch ein wenig zu viel Druck gemacht“, sagte eine sichtlich enttäuschte Leonie Ebert hinterher.

Mehr Trost als der dritte Platz gaben die aufbauenden Worte von Fecht-Legende Anja Fichtel „Das war großes Kino. Leonie wird sich entwickeln. Sie hat mehr erreicht als ich in ihrem Alter.“ Und der anhaltende Beifall des Publikums machte klar: Der „kleine Tiger“ hat in den vergangenen drei Jahren dem Fecht-Club und den Gästen beim Sparkassen-Cup große Freude gemacht.

Trainerstimme: „Ich bin mit ihrer Leistung sehr zufrieden“

Damenflorett-Bundestrainer Andrea Magro war nach dem Turnier voll des Lobes für seine Fechterin: „Als wir uns nach dem letzten Gefecht unterhalten haben, hat sie mir gesagt: ,Ich habe nicht beim Stand von 13:13 verloren, sondern wegen der Fehler davor. Beim 10:6 hätte ich die Kontrolle übernehmen müssen.‘ Wer in diesem sehr schweren Turnier mit so starken Gegnern unter die Besten vier kommt, gehört zu den Top-Fechterinnen. Natürlich ist sie nicht zufrieden, weil sie gewinnen wollte. Aber das ist normal, hochklassige Fechter wollen immer gewinnen. Aber sie ist erst 16 Jahre alt. Sie wird noch stärker werden. Ich bin mit ihrer Leistung sehr zufrieden. Und mit der des gesamten Teams im Moment. Wir haben jetzt drei dritte Plätze in drei Altersklassen bei internationalen Turnieren geholt: Leonie bei den Kadetten beim Sparkassen-Cup, ebenso beim Weltcup der Junioren in Bochum und Carolin Golubytsyki beim Weltcup der Aktiven in St. Maur. Das ist eine starke Leistung.“