Ausstellung: Hermann Hesse als Maler

Zum ersten Mal nimmt Hermann Hesse 1916 ernsthaft den Zeichenstift zur Hand. Damals steckt er, der erfolgreiche Schriftsteller und Familienvater von knapp 40 Jahren in einer tiefen Krise, auch seine Ehe bröckelt. Er begibt sich in psychoanalytische Behandlung. Sein Therapeut rät ihm seine Träume aufzuschreiben und zu malen. Es entstehen die ersten Traumbilder. Auch Selbstporträts und einige Interieurbilder entstehen in dieser ersten Schaffensphase. Doch schon bald wendet sich Hesse ausschließlich der Landschaftsdarstellung zu, die ihm mehr liegt.

Er trennt sich von seiner Frau und zieht von Bern nach Montagnola – Ein Befreiungsschlag- der sich auch in seinen Bildern deutlich zeigt. Nicht mehr die Details sind wichtig, die Landschaft gewinnt unter seinem Pinsel klare Konturen mit kräftigen Farben. Künstlerische Anregungen findet er in der zeitgenössischen Malerei, etwa bei August Macke – entwickelt daraus seinen eigenen, persönlichen Stil.

Hesse ist auch ein fleißiger Briefeschreiber. An die 40.000 Briefe verfasst er Zeit seines Lebens. Viele davon illustriert er wie seine Schriften liebevoll und detailreich. Malerei und Schriftstellerei befruchten einander. Immer wieder tauchen Motive aus seinen Bildern auch in seinen Texten auf.

Obwohl zeitlebens Autodidakt und selbsternannter Dilettant, gelangt Hesse zu einer erstaunlichen Könnerschaft auf dem Papier. Fängt in seinen Bildern Stimmungen und Atmosphäre ein. Schon zu Lebzeiten werden seine Werke mehrfach ausgestellt.

Jetzt zeigt das Museum im Kulturspeicher einen umfangreichen Überblick über Hesses malerisches Werk, als einziger Station in Deutschland. Denn Hermann Hesse kannte und liebte Würzburg. 1928 verbringt er zwei Tage am Main und verarbeitet seine Eindrücke in dem Roman Narziß und Goldmund.