Fechten: Roman Christen wird Senioren-Weltmeister in Stralsund, Bronze mit dem Team

Roman Christen aus Tauberbischofsheim holt Gold bei der Heim-WM! Im Anschluss ein Interview mit dem frischgebackenen Senioren-Weltmeister:

Roman Christen, Glückwunsch zum WM-Titel! War der Gewinn der Goldmedaille das erklärte Ziel?
Das Ziel war grundsätzlich erst einmal, eine Medaille zu holen. Natürlich habe ich mit Gold geliebäugelt, hatte mich damit ja auch selbst etwas unter Druck gesetzt. Der Druck fiel dann auch erst nach und nach ab, so richtig frei habe ich eigentlich erst ab dem Viertelfinale gefochten. Vorher war alles etwas verkrampft und mehr zielorientiert. Dass es dann auf dem Weg zu Gold nur über Laurent Bel gehen würde, war mir vorher eigentlich klar. Er war selbst früher ein guter und erfolgreicher Fechter.

Deinen Finalgegner Laurent Bel aus Frankreich hast du bereits angesprochen. Ihr kanntet euch ja ganz gut, eine Verabredung hattet ihr ja auch?
Lacht. Ja, wir kannten uns. Wir haben dann am Mittwoch noch überlegt, wann und wie oft wir eigentlich gegeneinander gefochten haben. Wir kannten natürlich aus dem Weltcup-Zirkus von damals unsere Fechtstile, waren früher mit den anderen Franzosen und auch den Italienern eine eingeschworene Truppe. Haben uns ja auch auf so vielen Turnieren gesehen, vor allem in der Mannschaft bei den Sieben-Nationen-Turnieren direkt gegeneinander gefochten. Mein Sohn Hendrik ficht, Laurent (Bel, Anmerkung d. Red.) hat ebenfalls einen Sohn. Er ist fünfzehn und ficht auch, da hat man natürlich viele Gemeinsamkeiten. So kam es dann, dass wir uns am Morgen beim Begrüßen aus Spaß für das Finale verabredet hatten. Dass es dann wirklich so kam, und die Setzung nach den Runden mitgespielt hat, ist umso schöner. Wir hatten ja dann auch immer fast identische Ergebnisse in der Direktausscheidung, da muss man dann natürlich schon schmunzeln, wenn man auf die Ergebnisliste schaut.

Wie muss man sich das vorstellen – in diesem Jahr bist du Deutscher Senioren Meister geworden, hast damit nationale Titel in fast allen Altersklassen gewonnen. Fehlte da die WM-Medaille einfach noch?

Nein, eigentlich nicht. Es ging niemals ums reine Medaillen sammeln. Weltmeister zu werden oder besser eine Medaille zu holen war einfach etwas, das ich für mich erreichen wollte. Im Grunde habe ich das Ganze so etwa zwei Jahre geplant, sozusagen. Ich hatte eine Hüft-OP vor diesen zwei Jahren, die ich bewusst zu diesem Zeitpunkt dann gewählt hatte, als diese Idee reifte, bei der Heim-WM in Stralsund zu starten. Ich musste dafür ja die Qualifikationsturniere absolvieren, aber vor allem nach der OP wieder fit werden. Ich musste in den Rhythmus für die Turniere kommen, trainieren und ja auch noch 50 Jahre alt werden, um teilnehmen zu können. Lacht. Dass es letztendlich dann geklappt hat mit einer Medaille und auch noch mit Gold, macht mich sehr glücklich.

Am Samstag trittst du noch im Degen an. Nach Gold am Mittwoch im Einzel und Bronze in der Mannschaft am Donnerstag dein dritter Wettbewerb in Stralsund. Was ist dein Ziel für Samstag?
Ich gehe an den Degenwettbewerb ganz ohne Druck ran. Ich möchte einfach das gute Gefühl mitnehmen, gut fechten und schauen, was dann passiert. Die Lockerheit aus den letzten Gefechten ist wichtig, das muss ich in den Fokus stellen. Eine absolute Erwartungshaltung an ein bestimmtes Ergebnis habe ich gar nicht.

Was steht danach an, Urlaub? Was sind deine nächsten (sportlichen) Ziele?
Am Montag geht das normale Leben weiter. Sonntag fahre ich nach Hause, am Montag sitze ich dann pünktlich im Büro. Was ich die letzten Tage gemacht habe, wird kaum einer wissen. Dann versuche ich vielleicht, mich für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven im März nächsten Jahres zu qualifizieren. Dazu muss ich ein paar Qualifikationsturniere fechten, im November ist das erste in Esslingen. Mal schauen, ob ich da teilnehme. Außerdem steht im November auch die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Senioren an. In Duisburg in diesem Jahr. Gemeinsam mit den Degenspezialisten Marco Longo und Volker Fischer werde ich da teilnehmen. Das ist dann der nächste feste Termin.

Bild: Roman Christen (zweiter von links) auf dem Treppchen ganz oben: Weltmeister!