130 Gläubige beim Gedenkgottesdienst in der Marienkapelle

 

Würzburg (POW) Bei einem ökumenischen Wortgottesdienst am Mittwoch, 21. Dezember, in der Würzburger Marienkapelle haben rund 130 Gläubige der Opfer des Anschlags von Berlin gedacht. Dekan Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran und die evangelisch-lutherische Dekanin Dr. Edda Weise stellten ihre Gedanken unter das Thema „Nicht mutlos werden“. Nicht nur die glücklichen Menschen, sondern gerade jene, die verletzt, enttäuscht, traurig oder mutlos seien, „dürfen und sollen Weihnachten feiern“, sagte Vorndran. „Geben wir dem Weihnachtsfest 2016 die Chance, dass es etwas in uns bewegen kann. Bringen wir Schmerz und Trauer mit, damit sie geheilt werden können.“ Zum Abschluss des Gottesdienstes entzündeten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor dem Nagelkreuz aus Coventry Kerzen als Zeichen der Versöhnung. Viele Gläubige folgten ihrem Beispiel.

„Wir alle sind schockiert über die brutale Gewalt an unschuldigen Menschen“, eröffnete Vorndran den Wortgottesdienst. Ein Weihnachtsmarkt, auf dem die Menschen Gemeinschaft suchten, sei zu einem Ort des Schreckens geworden. „Hier in der Marienkapelle wollen wir in unserer Sprachlosigkeit Zuflucht suchen, der Opfer gedenken und um den Frieden beten, den wir so sehr suchen.“

„Tiefes Mitgefühl ergreift uns, wenn wir an die Opfer dieses Anschlags denken, an all die arglosen Menschen, die grausam aus dem Leben gerissen oder verletzt wurden“, sagte Weise. „Doch gerade jetzt sollten wir nicht mutlos werden.“ Denn im Gegensatz zu todesverliebten Fanatikern und Extremisten hätten gerade die Menschen in Würzburg etwas, für das es sich einzutreten lohne. „Gerade wir wissen den großen gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt zu schätzen.“ Die Dekanin forderte dazu auf, gut und respektvoll miteinander zu leben. „Demokratie, Menschlichkeit, die Achtung unserer Rechtsordnung sind uns gemeinsam wichtig. Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren!“

Gott sei an Weihnachten zu den Menschen gekommen, um ihr Leben zu teilen und sie Menschlichkeit, Güte und Freundlichkeit zu lehren. „Wir haben die Wahl“, betonte Weise. „Entscheiden wir uns wie Gott an Weihnachten und werden Menschen, treten für Menschlichkeit ein? Oder entscheiden wir uns dagegen und geben den dunklen Mächten Raum: religiösem Fanatismus, extremen, hassverliebten politischen Ansichten, der Ausgrenzung von Minderheiten?“ Diese dunklen Mächte warteten schon und lauerten besonders in den Ritzen des Internets. Wir sollten uns mutig für das Licht von Weihnachten entscheiden: für das Kind in der Krippe, für ein menschliches Miteinander“, sagte Weise.

In den Fürbitten, vorgetragen von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Ilse Hahn als Vertreterin der Marktkaufleute, wurde unter anderem für die Opfer von Berlin und für Frieden in der Welt gebetet.